Auch Eltern sind Fachpersonen

Auch Eltern sind Fachpersonen

Zeitungsbericht zur Fachtagung Schulsozialarbeit Ost 2020

Am Mittwoch 11. November führte der Verein Schulsozialarbeit Thurgau eine Tagung zum Thema Arbeit mit Eltern durch. Mit dabei auch Schulsozialarbeitende aus dem Fürstentum und Österreich.

Geplant war ein ganztätiger Gedankenaustausch im Pentorama Amriswil. Covid-19 machte einen Strich durch die Rechnung. Man einigte sich auf ein digitales halbtätiges Setting. Mit dabei zahlreiche Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter aus Ostschweizer Kantonen, dem Fürstentum Liechtenstein und Vorarlberg. Moderatorin war Schulsozialarbeiterin Marion Erlenhardt. Referate wurden gehalten von Prof. Dr. Phil. Kitty Cassée von der Zürcher Hochschule für Soziale Arbeit zum Thema „Kompetenzorientierte Arbeit mit Eltern“ und von Prof. Dr. Med. Eia Asen, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in London, zum Thema „Multifamilienarbeit im schulischen Kontext“. Von praktischen Erfahrungen berichteten danach jeweils die Schulsozialarbeitenden Sabine Berbig und Michi Praschnig. Die Teilnehmenden wurden nach den Referaten zu Diskussionen in kleinere Gruppen geschaltet und konnten Fragen an die Referierenden stellen.

Eltern stärken bedeutet Kinder unterstützen

Thema war die Wichtigkeit der Elternarbeit in der Schulsozialarbeit und wie man die Kompetenzen der Eltern konkret stärken kann. Klar wurde herausgestellt, dass die Eltern die Experten in Sachen Erziehung sind und diese Verantwortung übernehmen müssen. Die Lehrpersonen seien die Experten für den Unterricht, wobei mehr Kenntnisse über die Entwicklungspsychologie wünschenswert wäre. Die Schulsozialarbeit kann als Vermittlerin fungieren. Viele Eltern bräuchten in der Erziehung Unterstützung und die Schulsozialarbeitenden sollten sich immer wieder ein Bild vom ganzen Umfeld der Kinder und der Jugendlichen machen. Dazu genüge ein Blick ins Klassenzimmer oft nicht – der Blick auf die Räume, in denen die Kinder sich in der Freizeit aufhalten, sei ebenfalls wichtig. Was Kinder bräuchten sind Anerkennung, Anleitung und Anregung. Aber auch Geduld, Zeit und Zuwendung, denn alleine gelassen scheitern sie oft.

Ein multisystemischer Ansatz

„Zeit und Unterstützung brauchen aber auch die Familien“ betonte Eia Asen der „Familienklassenzimmer“ organisiert. Dabei lernen Kinder und Eltern während normalen Unterrichtszeiten klassenübergreifend einige Lektionen gemeinsam in einem Klassenzimmer. Die Schüler den Stoff und die Eltern vor allem den Umgang mit den Kindern – und das in einer wertschätzenden Atmosphäre. Auch wurde hervorgehoben, dass etliche Eltern aufgrund ihrer Erfahrungen andere Eltern mit Tipps unterstützen könnten. Bei mehr als 65 % der Kinder sei diese Art, die auch in der Schweiz praktiziert werde, von Erfolg gekrönt. Die Schulsozialarbeitenden betonten abschliessend, dass für diese professionelle Arbeit vor allem die Vorgesetzten und Behörden mit im Boot sein müssten – und, dass man dafür auch personellen Ressourcen sowie da und dort mehr Stellenprozente benötige. Peter Spirig (psp)

Kommentare sind geschlossen.